Das Verhältnis von Perfektion und Liebe
Definition Pareto-Prinzip nach Wikipedia
Das Paretoprinzip besagt,
dass 80 Prozent der Ergebnisse
mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden.
Die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse
erfordern mit 80 Prozent des Gesamtaufwandes die meiste Arbeit.
Achtzig Prozent Arbeit mit nur zwanzig Prozent Resultat,
das klingt hundert Prozent nach Perfektion.
Es ist in unserer heutigen Zeit so verbreitet.
Alles hat so tadellos zu sein, bloß keine Fehler machen, bei allem.
Fehler sind unpraktisch, denn sie bringen den Turm der Scheinheiligen zu Fall.
Also wird alles vertuscht, reingewaschen in scheinbarer Perfektion.
An Kapitulation ist nicht zu denken, denn das Image muss ja seinen Glanz behalten.
Und doch fangen wir schon im frühesten Alter an, weil wir es nicht anders kennen,
die eigene fehlbare Natur zu verkennen und
stets irgendjemanden zu benennen, der an allem schuld sei.
Anstatt sich einzugestehen, dass dort, wo man Menschen sieht, auch Makel zu finden sind.
Wieso streben wir alle so sehr nach Perfektion?
Diese Vision ist gar nicht so schön, wie man glaubt.
Wären alle Menschen perfekt, dann wären sie alle gleich (perfekt).
Wären alle Menschen perfekt, dann gäbe es nichts, was man in dem anderen neu entdeckt, was Freundschaften und Liebe erweckt.
Wären alle Menschen perfekt, dann wäre alles, was man in einem anderen sucht, schon in sich selbst gefunden.
Dann ist Beziehung ein Fehlklang, denn man hat ja alles im Alleingang.
Wären alle Menschen perfekt, wie sähe das aus?
Welche Eigenschaften müsste dieser perfekte Mensch in unzähligen Ausführungen haben,
was müsste er tragen,
was dürfte er haben, können und tun?
Und wenn er dies alles hätte, wie menschlich ist dann diese Person?
Hundert Prozent Perfektion? Null Prozent Liebe?
Wieso agieren wir mit der größten Nächstenliebe da,
Wo das Leid einem so zu schaffen macht?
Wieso sind wir dem Nächsten da so nah,
wo er nicht mehr lacht,
sondern verzagt an dem Alltag
der Herausforderungen?
Ist dann nicht da, wo er sich verletzlich macht,
– das Epitom der Anti-Perfektion – der Ort, an dem
Freundlichkeit, Geduld, Wohlwollen und Akzeptanz voller Pracht
zum Vorschein treten?
Und ist nicht Verletzlichkeit
eine Unabdingbarkeit
der Beziehungsfähigkeit;
jemandem einen Einblick zu geben
in das eigene Leben
mit seinen Höhen und Tiefen?
Ist das nicht Liebe?
Und wenn das Liebe ist, wie passt da die Makellosigkeit noch mit hinein?
Vielleicht fifty-fifty?
Oder doch lieber die außergewöhnliche Option
von hundert Prozent Liebe und hundert Prozent Perfektion?
Ich kenne nur einen, dreigeteilt und doch vereint, alles dafür, um bedingungslose Liebe von Anfang an zu sein.
Der Größte von allem, ganz klein und verletzlich in diese Welt hinein,
mit beziehungsweise durch unperfekte Menschen gefeiert und gelitten
verraten, verlassen und allein
Alles dafür, um für mich und für dich gestorben zu sein.
Wer sollte mich so sehr lieben, um für mich zu sterben, wenn nicht der, der die Liebe (selbst) in Person ist?
Und gerade meine Unvollkommenheit lädt mich dazu ein, ganz bei ihm zu sein, denn in ihm wird meine Unperfektion durch seine Liebe mit vollkommener Liebe gefüllt.
Dann gilt: Hundert Prozent geliebt. Null Prozent perfekt.
Joel George
