Jahreswechsel

Ich habe mich lange nicht mehr gemeldet und in der Zeit ist einiges passiert. Von dem Paket meiner Eltern über Weihnachten ohne Familie bis hin zu dem ghanaischen neuem Jahr. Die Hälfte ist auch bereits mit dem Zwischenseminar vergangen.
Mit dem neuen Jahr gab es natürlich auch ein neues Leitmotiv für das Jahr: Aktiv werden! Eine wohlbekannte Schwäche von mir angehen, immer sehr passiv zu werden als aktiv etwas zu verändern. Das hat schon mit dem Auslandsjahr gestartet, kann aber noch besser ausgebaut werden.
Doch das konnte ich bisher noch nicht wirklich angehen, da ich erstmal eine Down-Phase durchgegangen bin, die mich an meine emotionalen Grenzen gebracht hat. Deshalb war ich sehr auf mich fokussiert, um die Situation verbessern. Das hat doch länger gebraucht als ich es erwartet habe und ist immer noch nicht ganz behoben. In dieser Zeit kam auch Awijahs Familie zu Besuch und sind durch Ghana gereist, sodass ich „alleine” im Projekt war.
Als es mir dann etwas besser ging, habe ich mich um die Projektbeschreibung und den zweiten Bericht gekümmert, aus denen auch der meiste Text aus den folgenden Abschnitten stammt. Dann kurz vor knapp haben wir uns noch um eine PowerPoint-Präsentation zur Vorstellung unseres Projekts gekümmert. Inzwischen ist das Seminar auch vorbei, wobei ich das nochmal in einem anderen Blogpost vertiefe.
Aber jetzt erstmal das Geschehen aus dem letzten Jahr.

Das Paket

Meine Familie hat mir kurz vor Weihnachten ein Paket mit allem möglichen Dingen zugeschickt. In dem Paket waren Bälle und Lego als Spielzeug für die Kids, da die hier kaum bis kein Spielzeug haben. Für mich gab es essbare Erinnerungen an Deutschland in der Form von Honig, Schokolade in ihren unterschiedlichsten Formen, Krümeltee, Zimt für den Weihnachtsflair und Zuckermais aus der Dose. Dazu kamen noch ein reichlicher Vorrat an Antimückenspray und Vitamin- & Mineral-Brausetabletten. Die werden hier sonst als Medizin für umgerechnet 3,50 € (GH₵ 25) pro Dose verkauft. Weiterhin waren andere nützliche Utensilien wie ein Regenschirm und Taschenlampen für die Kids und für mich in dem Paket enthalten. Natürlich darf vor Weihnachten Weihnachtsdekoration und Spekulatius nicht fehlen 🙂
Das Paket abzuholen, war auch ein Abenteuer für sich. Erst bin ich anderthalb Stunden zu einem Post Office gefahren, was ich auf Google Maps rausgesucht hatte und sich bei der Ankunft dann als ein Hotel rausstellte. Nach einer Nachfrage beim Personal wurden wir auf ein Post Office verwiesen, was bald schließen würde und zudem auch noch gar nicht zuständig für mein Paket war (das wusste ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht). Also sind wir trotz dessen, dass es bald schließen würde, hingefahren. Dort herrschte schon gähnende Leere, außer ein paar Leute, die draußen redeten und uns, als wir verloren auf dem Hof standen, mitteilten, dass es doch schon geschlossen hatte und wir bitte an einem anderen Tag wiederkommen sollten. So sind wir unverrichteter Dinge zurück ins Projekt gefahren. Ich erhielt von einem der älteren des Kinderheims den Hinweis, dass es nicht so funktioniert und dasselbe auch nochmal von dem ghanaischen Freund, der mich begleiten wollte, wenn ich losmache, das Paket zu holen. Ein paar Tage später ging es also erneut los, das Paket abzuholen. Dazu mussten wir zuerst zu dem Post Office in Madina fahren, was für das Kinderheim zuständig war. Von dem Hausvater habe ich den Schlüssel für das Postfach bekommen. Also erst mit dem Trotro nach Madina zum Post Office, indem mir ein Zettel, den ich brauche, ausgestellt wurde. Als wir rausgingen um weiterzufahren, ist mir nach einiger Zeit aufgefallen, dass ich vergessen habe, den Schlüssel wieder mit einzupacken, also zurück zum Post Office. Glücklicherweise, war er genau da, wo ich ihn beiseite gelegt habe. Den Schlüssel schnell eingepackt ging es nun zu dem richtigen Post Office, wo das Paket angekommen ist. Also mit dem Trotro nach Accra zum Post Main Office reinfahren. Dort angekommen, war die nächste große Hürde, die „custom“, also der Zoll. Natürlich wusste ich in dem Moment nicht, dass „custom“ den Zoll meint und war erst mal überfragt, was sie denn damit meinte, sodass die Zollbeamtin dann fast ausschließlich über meinen Begleiter kommuniziert hat. Erst kam die Frage, was denn in dem Paket drin sei, worauf ich nur antworten konnte, dass es ganz verschiedenes ist, da auch einige Überraschungen dabei waren. Sie hat oberflächlich etwas rumgewühlt, dann ohne mich auf irgendeinen Verstoß hinzuweisen, bestätigt, dass alles okay sei, aber ohne irgendeine Grundlage Zahlen in einen Taschenrechner eingetippt und mir das Ergebnis gezeigt hat, was ich denn jetzt zu zahlen habe. Das passierte ganze dreimal, immer mit großen Differenzen im Ergebnis als zum vorherigen. Natürlich war ich jetzt überfordert, dass es so viel (erst umgerechnet über 100 €, letztendlich nach erneutem Eingeben, warum auch immer, nur umgerechnet 80 €) war, ich hatte notfalls nämlich GH₵ 200 (~ 29 €) mitgenommen, obwohl alles schon im Vorhinein abbezahlt sein sollte. So musste ich erst Geld abheben, weil man natürlich nicht mit Visa bei einer so öffentlichen Behörde bezahlen konnte. Als auch das geklärt war, konnte ich endlich das Paket mit einem Uber ins Projekt fahren. Ich war ziemlich erleichtert, dass ich einen Einheimischen zur Seite hatte, der zumindest die Kommunikation erleichtern konnte. Aus der ganzen Geschichte habe ich einiges gelernt: wie das Postsystem in Ghana funktioniert; dass Google Maps nicht immer einen zum Ziel führt und dass hier so einige fragwürdige Geldabläufe geschehen.

Weihnachten

Weihnachten haben wir, Awijah und ich, im Heim mit den Kids verbracht. Obwohl der Süden sehr christlich geprägt ist, ist im Heim nicht wirklich etwas anders als sonst gewesen, außer dass sehr viel mehr Besucher kamen und Spenden gebracht haben. Und so habe ich viel Zeit damit verbracht, mit den Kindern Spenden wegzutransportieren und einzuräumen. Manche Besucher starteten ein kleines Programm, mit Essen, Tanz und ein paar Spielen. Deswegen haben wir dann selber etwas Kleines gestartet, mit Lagerfeuer, Stockbrot, Marshmallows und der Weihnachtsgeschichte am Feuer. Mit dem angekommenen Paket konnten wir für die Kinder ein kleines Geschenk packen, was sie sich allerdings teilen mussten. Und dadurch hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung etwas gekippt ist. Persönlich war ich gar nicht in der Weihnachtsstimmung, zum einen wegen der mangelnden Kälte & Schnee und zum anderen, weil es nicht wirklich was gab, was einen darauf vorbereitet hätte. Weihnachtsmusik habe ich zwar gehört, fühlte sich aber alles irgendwie anders an. Außerhalb der reichen Gegenden gibt es absolut keine Anzeichen auf Weihnachten und das Klima lässt es leider auch nicht zu, dass durch das Wetter Weihnachtsstimmung aufkommt. An einem Abend der Weihnachtstage sind wir mit einem ghanaischen Freund, seiner Freundesgruppe und einem der Ältesten des Heimes zu einer Party gefahren und haben mehr oder weniger gefeiert. Ich eher weniger, da Partys nicht so ganz meins ist. Dazu muss man sagen, dass ich mich überredet lassen habe mitzukommen, obwohl ich total müde war, einfach um zu sehen, wie so eine Party um Weihnachten aussieht. Natürlich ausgerechnet dann wurde ich dazu animiert mich mit dem Mädchen aus der Freundesgruppe zu unterhalten, mit welchem Zweck dahinter weiß ich natürlich nicht. Letztendlich ist es in eine Poolparty ausgeartet, bei der 3 Stunden im Wasser relativ schnell umgegangen sind und ich etwas überrascht war, dass es schon um eins in der Nacht ist. Es war zumindest interessant, sowas selber zu erleben, ein zweites Mal muss es jetzt aber nicht sein.

Silvester

Kurz darauf haben wir als Freiwillige in Ghana (11 Personen) allesamt Urlaub genommen, um gemeinsam Silvester zu feiern. Dafür haben wir uns ein Haus für eine Woche gemietet. Tatsächlich sind wir kaum aus den 4 Wänden kaum rausgegangen, weil man sich gut unterhalten hat und/oder stundenlang in der Küche mitgeholfen hat, um richtig gutes europäisches Essen zuzubereiten. Das Abwaschen ohne Spülmaschine war auf Dauer etwas lästig, aber hat sich definitiv für das leckere Essen gelohnt. Und für das Frühstück mussten wir auch nichts tun, da es uns gebracht wurde. Da es allerdings bereits um 6 Uhr gebracht worden ist, wo wir allesamt noch geschlafen haben und er Schlüssel vergessen worden ist, wurde ich geweckt und musste die Tür öffnen. Wir haben versucht, die ein oder anderen Bar/Club mitzunehmen, die allerdings nicht so gut waren. In dieser Zeit haben wir uns über die Projekte ausgetauscht (was wir beim Zwischenseminar nun nochmal machen werden) und einfach gemeinsam Zeit verbracht. Im neuen Jahr haben sich einige Freiwillige entschieden etwas zu unternehmen, sodass ein paar Freiwillige und ich in einen Botanischen Garten gefahren sind und über eine Hängebrücke, die verschiedenen Bäume und die Stadt in der Ferne begutachten konnten. Als wir gehen wollten, hat es mit Regnen angefangen, sodass wir durch den Regen zu unserem bestellten Taxi rennen wollten, es aber nicht finden konnten, sodass wir allesamt pitschnass uns einen Unterschlupf suchen mussten, wofür es eh schon zu spät war. Dann sind wir so zu einer Mall gefahren, in der Hoffnung gut trocknen zu können und haben spontan noch den neuen Spiderman-Film angesehen. Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, da wir auch einfach mal Zeit als Freiwillige zu verbringen konnten und die Beziehungen zwischen einander ausbauen konnten.

Shai Hills

Nachdem wir uns dann von dem Haus verabschieden mussten, kamen noch 3 Freiwillige ins Projekt. Meine soziale Batterie war eigentlich schon ausgelaugt, aber trotzdem war es nochmal eine schöne Zeit. Besonders in den Shai Hills, ein Resource Reserve mit steppenartiges Terrain und steinigen Hügeln mit Höhlen. Affen und Zebras und Sträuße gab es auch zu bestaunen. Zwischen den Anhöhen wurden wir von unserem Taxifahrer gefahren, der uns eigentlich nur bis zum Resort bringen sollte. Der Anstieg auf die Anhöhen wurde per Fuß bewältigt, was sich für kurze Zeit wie Wandern in Deutschland angefühlt hat, nur dass die Aussicht hier bedeutend anders ist, wie die Bilder zeigen. Tatsächlich haben wir auch die Affenart gesehen, von der uns gesagt wurde, dass sie nicht sehr wahrscheinlich ist, dass wir sie sehen werden. Wir haben uns den Guide mit einer anderen Familie geteilt. Tatsächlich hieß der Vater der Familie Amos und war vor kurzem erst in Dresden, meiner Heimatstadt, zu einer Konferenz gewesen. Was ziemlich erstaunlich war, dass ich einen Ghanaer in Ghana antreffe, der meinen Zweitnamen trägt und in meiner Heimatstadt

Was ich über Deutschland gelernt habe

In dem Jahr lernt man nicht nur die andere Kultur kennen, sondern auch die eigene besser kennen. Ob ich meinen Schülern eine Rechercheaufgabe zum Thema Deutschland gebe oder einfach gefragt werde, wie das in Deutschland ist und ich im Internet nachschauen muss, ich finde immer auch selbst etwas über Deutschland dabei heraus. So wollte ich als Rechercheaufgabe für die 9. Klasse die Verhältnisse zwischen Ghana und Deutschland raussuchen lassen. Gerade die Anfänge haben mich interessiert und bei der geeigneten Themenfindung bin ich über die Kolonialzeit gestolpert und habe erfahren, dass Deutschland Togo, das östliche Nachbarland von Ghana, kolonisiert hatte. So kam es, dass Deutschland auch das heute östliche Ghana (Volta-Region) unter seinem Einfluss hatte. Zusätzlich gab es deutsche Missionsgesellschaften, die hierhin kamen und sogar mithalfen, eine Schrift für die Lokalsprache Ewe zu entwickeln. Dadurch entstand auch die Evangelical Presbyterian Church, die auch heute noch weit verbreitet ist und ich schon besucht habe. Ansonsten waren die Importe und Exporte auch ganz interessant, da hier einige alte deutsche Transporter, die als Trotro dienen, Produkte deutsche Körperpflegefirmen, auf den Markt und Supermärkten zu sehen sind. So werden verschiedenste Fahrzeuge, Maschinen & Technik, Chemie oder Körperpflegeartikel von Deutschland nach Ghana exportiert und dafür Kakao, Früchte & Nüsse und Öl importiert.
Interessant ist auch zu sehen, dass hier sehr viele einzelne Wörter Deutsch können.

Fakt der marginalen Differenz

Ein kleiner, aber feiner Unterschied zwischen Ghana und Deutschland ist, dass die Schlüssel typischerweise vertikal ins Schloss gesteckt werden müssen als horizontal wie es in Deutschland üblich ist. Das war der Grund, warum ich an der Tür von dem ersten Hotelzimmer gescheitert bin und um Hilfe fragen musste.

In den nächsten Tagen sollte bald auch ein weiterer Blogpost kommen.